Parque National Puyehue
Tag 1:
Der Wecker klingelte um 6:30 Uhr auf dem Campingplatz in Valdivia. Vor uns lag eine weite Busreise zum Vulkan Puyehue. Wir standen so um 8Uhr auf. Nach einer langen warmen Dusche und einem ausgiebigen Frühstück starten wir leicht verspätet in den Tag (2h). Im Supermarkt deckten wir uns noch fix mit Tütensuppen, Nudeln und Müsliriegeln ein und schon ging es mit dem Bus los nach Osorno. Dort angekommen suchten wir den Anschlussbus nach 'Aguas Calientes' und kauften noch schnell eine Melone 'fürn Weg'. Jan erregte die Aufmerksamkeit der örtlichen Um-14-Uhr-besoffenen Weiber und musste für ein Fotoshooting mit der Handykamera herhalten. Die Landschaft während der Busfahr hatte soviel ähnlichkeit mit dem 'ostwestfälischen Weideland bei Warendorf', dass man sich fragte warum man eigentlich so weit weg fährt um das zu sehen und Krümel vor Begeisterung die halbe Melone im Bus liegen lies. Von den 'Aguas Calientes' waren es noch 20km zu Fuss auf der 'Carretera'. Sengende Hitze und Pferdefliegen...
Nach 6km waren wir so am Ende - 20kg Gepäck schlauchen doch etwas - dass wir einen Pick-Up anhielten und bis zum Parkeingang per anhalter mitfuhren. Aber das war nicht der Parkeingang. Wir versuchten noch einen Pick-Up anzuhalten, der aber fuhr vorbei - und kam dann doch zurück. Die beiden europäischen Biologinnen im Wagen brachten uns schlussendlich dann zum Vulkan. Danke! Nachdem wir unser überflüssiges Gepäck am Eingang lassen konnten suchten wir uns einen chilligen Schlafplatz an einem Bach, zündeten das obligatorische Lagerfeuer an und öffneten die Bierdosen.
2. Tag: 'Der Aufstieg'
Etappenziel: Basecamp (Refugio), 3-4h
'Steep hike through loose vulcano soil' sagte der Reiseführer. Die Tour nach oben war eine einzige Quälerei, 4h liefen wir den Berg nach oben. Dort endlich angekommen stellten wir fest, dass es kein Wasser gab und mussten noch 1/2h weiter nach oben laufen. Wir stellten unser Zelt in der Nähe eines Gletschers auf, der uns mit eiskaltem Wasser versorgte. Mit dem neuen Primus Omnifuel zauberten wir eine ekelthafte Tomatensuppe mit matschigen Suppennudeln. Im Zelt spielten wir noch eine Runde 'Ohne Furcht und Adel'. Regen und Sturm machten das sehr kuschelig.
3. Tag    'Zu den Bañons'
Von 'Muh' geweckt und Nebel und regen verschreckt. Das Wetter war so trübe, dass wir nach dem Frühstück wieder ins Bett krochen. Um 13Uhr wurde die Sicht langsam besser und wir beschlossen aufzubrechen. Der Weg führte über ein Plateau auf 1800m um die Vulkanspitze. Der Wind pfiff und es war bitterkalt. Die Landschaft aber war sehr beeindruckend. Sandwüste, Schnee, Gletscherbäche und z.T. Grünland wechselten sich ab. 4-5h später waren sie in Sicht: dampfende Wasserbäder! Wir waren am Etappenziel. Mitten auf dem Vulkan gab es warmes Wasser begleitet von einem latent schwefeligen Geruch. Der Vollkornreis mit Pilzrahmsauce war ein Gedicht!
4. Tag   'Die Geysire'
Ausschlafen, ein Bad in den heissen Quellen und Minibrote aus der Pfanne. Danach ging es los zu den Geysiren. Unser Zelt und das Gepäck konnten wir lassen wo es war und den 2h Weg ganz entspannt angehen lassen. Andere Wanderer gaben uns den Tipp lieber auch Sandalen mitzunehemen, da man duch einige Flüsse waten müsse und liehen Anneka dann sogar noch ihre Sandalen (nett gemeint, aber etwas zu gross). Die Problematik mit den Flüssen war nicht übertrieben. Unsere Durchblutung wurde gut angekurbelt, da wir regelmässig durch eiskalte Bergbäche stapfen mussten. Kneipp wäre stolz auf uns gewesen! Mal wieder boten sich uns traumhafte Blicke über Berge, Lavagestein, Schnee und Wüste. Die Geysire waren ebenfalls beeindruckend und stanken furchtbar nach Schwefel. Um die Geysire konnte man knallgelbe Schwefelablagerungen sehen. Vorsicht, niemals drauftreten, heiss! (Dieser Tipp kam auf von dem Typen der uns den Sandalentipp gegeben hatte.) An einer Stelle konnte man blubbernden grauen Schlamm sehen und natürlich viel Rauch. Auf dem Rückweg machten wir an den zweiten 'Baños' Halt und nahmen ein warmes Bad. Da der Tag eh schon im Zeichen Kneipps stand machte Jan Wechselbäder im kalten Flusswasser. Da das Bezin zum kochen knapp wurde starteten wir den versuch den Reis für das nächste Frühstück über Nacht in dem heissen Wasser quellen zu lassen. Hat nicht 100% funktioniert, aber es hat die Kochzeit deutlich verringert und schmeckte auch nur ein bisschen nach Schwefel. Kann man eigentlich eine Schwefelvergiftung bekommen?
5. Tag  'Rückweg'
Für den Rückweg hatten wir uns einges vorgenommen. Wir wollten die Etappe bis zum Refugio und den Weg vom Berg runter schaffen. Wir haben uns also früh aus dem Zelt gequält und sind tatsächlich schon um 9:30uhr (hüstel) losgekommen. Auf dem Weg hatte jeder mit seinen kleiden Macken zu kämpfen. Jan und Anneka taten die Füsse weh (Blasen) und Krümel bildete durch ein schmerzendes Knie behindert das Schlusslicht. Als die Strecke zum Refugio geschafft war blickten alle sehr lustlos dem Abstieg entgegen und besonder Krümel graute die Perspektive des stundenlangen Bergab-Gehens (Kniegift!). Wir schafften aber auch den Weg noch erstaulich schnell und waren in knapp 3h an unserem Zeltplatz angekommen wo wir Spaghetti auf dem Lagerfeuer kochten und kaltes Dosenbier tranken, was uns das nahe Restaurant leicht überteuert verkauft hatte.
An dem Abend trafen wir auch noch ein grosse Gruppe Israelis, die uns baten ihren Angehörigen eine Email aus der nächsten Stadt zu schreiben und ihnen mitzuteilen, dass alles in Ordnung sei. Die hatten schon einige Tage vorher die Wanderng beginnen wollen, aber wie es aussah war ihnen etwas dazwischen gekommen. Da im letzen Jahr eine Gruppe Israelis in dem Nationalpark für 11 Tage vermisst war und mit Helikoptern gesucht werden musste, hatten die anderen jetzt Bedenken, dass ihre Familien daheim in Panik ausbrechen, wenn sie sich nicht melden. Lustigerweise hatte der Typ am Parkeingang uns auch gesagt, dass der Weg einfach zu finden ist und man einfach den Fussspuren folgen kann 'but don't follow the footsteps of the Israelis!'. Die Karte vom Gebiet für die er von uns 6$ hatte sehen wollen haben andere Israelis, die wir auf dem Weg getroffen haben sogar umsonst bekommen.